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Pärchen, verpisst euch!

by Carsten on 9. Februar 2012 · 0 comments

in Über Denken, Über Einander, Über Lesen

Es ist ihr großes Thema: Schon Anfang der 90er hat Christiane Rösinger mit den Lassie Singers vor der Pärchenhölle gewarnt. »» Und jetzt veröffentlicht sie ein Feelgoodbuch für Singles, die auch allein bleiben wollen: „Liebe wird oft überbewertet“. PAC sprach mit ihr über die große Illusion der romantischen Liebe und die Vorteile des Alleinseins. Und über Kritiker, die ihr vorwerfen, sie sei nur eine frustrierte Zicke.

PAC: Christiane, für dich ist das Singledasein nicht die zweitbeste Möglichkeit?

Christiane Rösinger: Nö, ich habe ja dieses Buch geschrieben, weil wir in einer pärchenzentrierten Gesellschaft leben, und in der ist das zufriedene Alleinsein nicht vorgesehen. Es geht mir darum, dass Beziehungen und das Alleinleben als wirklich gleichberechtigte Lebensformen akzeptiert werden. Warum gibt es denn diese Angst vorm Alleinsein? Oft macht man erst aus einer Einsamkeit heraus tolle Sachen: man geht offener auf Menschen zu, fängt vielleicht an zu schreiben und beginnt ein neues Projekt. Und das ziehe ich der Pärchenhölle vor. Schau dich doch mal um, wie viele traurige Paare du in den Restaurants und Pizzerien dieser Welt triffst.

PAC: Und es ist wirklich nicht in die Tasche gelogen, dass du allein glücklich bist?

Rösinger: Ob Pärchen oder Single, ein bisschen lügt man sich immer in die Tasche. Die Beziehung wird schön geredet, und auch das Alleinsein ist ambivalent. Es gibt ja auch diese doofen Momente wie vielleicht zu Silvester, wo das dann kippt und man sich selber fragt, was für ein seltsames Leben man da eigentlich führt. Es ist ja kein Dogma, natürlich denkt man auch als Single immer wieder über seine Lebenssituation nach. Letztendlich sind es aber eher die Pärchen, die ständig zu sagen verpflichtet sind: Es ist alles toll, und ich bin so froh, dass ich jemanden habe.

PAC: Es braucht schon eine gewisse Coolness um zu sagen, ich brauche nicht um jeden Preis eine Beziehung, sondern ich fühle mich auch ganz gut ohne. Kam das bei dir nach und nach oder gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Rösinger: Eher nach und nach. „Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch“, dieses Lied ist ja schon 91 entstanden. Wie alle Menschen war ich oft unglücklich verliebt und manchmal auch glücklich. Aber diese Erkenntnis, dass man dieses Themenfeld einfach nicht so ernst nehmen sollte, die kam erst mit der Zeit. Und natürlich braucht man auch immer Verbündete. Es ist total schwer, allein gegen dieses Credo anzugehen, dass das Wichtigste die Liebe ist. Man braucht Gespräche mit Freundinnen und Freunden, die dir sagen, dass sie eigentlich auch ganz zufrieden ohne Beziehung sind.

PAC: Man braucht vor allem ein ziemlich hohes Selbstwertgefühl, oder?

Rösinger: Ich fürchte schon. Dieses Zwangspärchentum suggeriert ja immer: Warum bist du allein? Du hast niemanden gefunden. Keiner will dich. Da braucht man schon sehr viel Selbstbewusstsein, um sich darüber zu stellen.

PAC: Du wirst bestimmt oft mit der Unterstellung angefeindet, du hättest diese Ansichten nur, weil du frustriert bist.

Rösinger: Klar, das ist immer die einfachste Erwiderung. Da kann ich nur sagen: Wenn es diese romantische Liebe gäbe, bei der man ständig nur große Gefühle und tollen Sex hat und alles ist die ganze Zeit wie im Musical, dann fände ich das auch nicht schlecht. Aber die Illusion hält ja nie lange vor, und dann folgt Ernüchterung. Ich will diese ganze Beziehungsenergie lieber anderweitig nutzen. Vielleicht sollte ich den Leuten, die mir mit Frust kommen, einfach eine Gegenfrage stellen: Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass ihr einfach nicht dazu in der Lage seid, allein zu sein? Und dann schicke ich noch aus vollstem Herzen hinterher: Aber so leben, nein danke!

„Liebe wird oft überbewertet“ von Christiane Rösinger erscheint am 22. Februar bei Fischer.

 

Foto Christiane Rösinger: Doris Spiekermann-Klaas/der tagesspiegel

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