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Vorfreuen 2

by Carsten on 24. Januar 2012 · 0 comments

in Über Lesen

Schön ist er immer noch nicht, der Januar. »» Aber jetzt sind es ja nur noch ein paar Tage, und dann erscheinen auch schon die ersten Bücher, die wir uns aus den Frühjahrskatalogen ausgekuckt haben. Hier kommt Teil zwei der großen Vorfreudebatterie mit Christiane Rösinger, Tor Ulven, T.C. Boyle, Cornelia Travnicek und Katrin Seddig.

 

 

„Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch“, sang Christiane Rösinger schon mit den Lassie Singers. Und ihr erstes Soloalbum „Songs of L. and Hate“ aus dem letzten Jahr zählt ohne jeden Zweifel zu den schönsten Runterziehern aller Zeiten. Jetzt rollt sie das Feld von einer anderen Seite auf, denn mit „Liebe wird oft überbewertet“ hat sie ein Feelgood-Sachbuch geschrieben, für Alleinstehende und alle, die es auch bleiben wollen. So ganz ohne Verbitterung wird man da sicher nicht rauskommen. Doch wenn sie ihre ganz und gar eigene Kulturgeschichte mit Anekdoten kombiniert, kann man sich ja noch mal von neuem klar machen, wofür man eigentlich antreten will. Und man kann die ganze Herzscheiße auch mal weglachen. Ein bisschen zumindest.

„Liebe wird oft überbewertet“ von Christiane Rösinger erscheint am 23. Februar bei Fischer.

 

Eigentlich wären Tor Ulvens Geschichten ein perfekter Begleiter gewesen, um durch den Januar zu kommen, doch auch wenn „Dunkelheit Am Ende des Tunnels“ mit ein paar Tagen Verspätung erscheint, wird es natürlich trotzdem noch auf sehr viel Verständnis treffen. Mit beißendem Sarkasmus und trockenem Witz erzählt er von Vergeblichkeit und Lebensunlust. Seine Erzähler sitzen im Dunklen und protokollieren ihre Schlaflosigkeit, sie geben sich ihren Ängsten hin und verschwinden in ihren Erinnerungen. In den 80er und frühen 90er Jahren wurde Ulven als einer der bedeutendsten Dichter der norwegischen Nachkriegsliteratur gefeiert. Im Mai 1995 setzte er seinem Leben mit 41 Jahren selbst ein Ende. „Dunkelheit am Ende des Tunnels“ ist das letzte Buch, das er zu Lebzeiten veröffentlicht hat, und es ist das erste, das in deutscher Übersetzung erscheint.

„Dunkelheit am Ende des Tunnels“ von Tor Ulven erscheint am 3. Februar bei Droschl.

 

T.C. Boyle schreibt Bücher wie Woody Allen Filme dreht: Nach zwei, drei okayen Werken kommt immer ein ganz großer Wurf. Und „Wenn das Schlachten vorbei ist“ könnte wieder ein Überroman sein. Das Thema ist bei ihm nicht neu, ein weiteres Mal geht es um die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch den Menschen. Doch wenn man seinen Fans glaubt, die das Buch bereits im Original gelesen haben, war er in seinen apokalyptischen Romanen nie zuvor so bitter und so böse. Auf einer rattenverseuchten Insel vor der Südküste Kaliforniens kommt es zum erbitterten Kampf zwischen Umweltschützern verschiedener Couleur: Die einen wollen mit Hilfe von sehr viel Steuergeldern das ökologische Gleichgewicht wieder herstellen, indem sie die Ratten vergiften. Der andere ist der fanatische und zugleich romantische Dave LaJoy Almas Nemesis, der nach einem Erweckungserlebnis vor nichts zurückschreckt, um Tiere zu schützen, selbst wenn es Ratten sind.

„Wenn das Schlachten vorbei ist“ von T.C. Boyle erscheint am 6. Februar bei Hanser.

 

Eigentlich komplett unsympathisch, den Debütroman „Chucks“ zu nennen. Doch Cornelia Travnicek zeichnet von ihrer Heldin ein Psychogramm, das weit über die Oberfläche hinausgeht: Mae ist Anfang 20 und zieht als Punk durch Wien. In einem Aids-Hilfe-Haus, wo sie eine Strafe wegen Körperverletzung abarbeiten muss, verliebt sie sich in Paul. Doch dann bricht bei ihm die Krankheit aus, und der Kampf gegen sein Verschwinden konfrontiert Mae auch mit der Vergangenheit und dem Verlust ihres älteren Bruders, von dem ihr eben nur seine Chucks geblieben sind. Travnicek kommt aus St. Pölten und sorgte mit einem Auszug aus „Chucks“ beim FM4-Wortlaut-Wettbewerb, der wichtigsten Nachwuchsveranstaltung Österreichs, für großes Aufsehen und belegte den dritten Platz.

„Chucks“ von Cornelia Travnicek erscheint m 27. Februar bei der DVA.

 

Katrin Seddigs erster Roman zählt zu den aufregendsten Debüts der letzten Jahre, und wer „Runterkommen“ gelesen hat, der weiß, was er erwarten kann, wenn sie in „Eheroman“ mit wunderbarem Aberwitz von der Unmöglichkeit der Liebe erzählt. Und vielleicht ertrotzt sie uns an den unmöglichsten Orten ja doch eine Möglichkeit. Ava Grünebach hat sich schon mit zwölf in den Kroaten Danilo verliebt, später heiratet sie ihn, und gemeinsam müssen die beiden ihre Liebe im Alltag auf die Probe stellen. Nach und nach wird Ava immer unsicherer, ob Danilo wirklich das Beste ist, was ihr passieren konnte. Und sie macht sich auf die Suche nach mehr. Auf fremden Partys. Mit einem hübschen Fernfahrer, mit dem sie nach Portugal abhaut.

„Eheroman“ von Katrin Seddig erscheint am 9. März bei Rowohlt Berlin.

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