Inzwischen kennen wir diese ^^-Haltung, die der eine oder andere überkorrekte Leser hier gerne raushängen lässt. »» Ja, wir lesen die Kommentare jener Leser inzwischen von den Stirnfalten ab und haben schon vorab ein schlechtes Gewissen: Ach, kuck, die bei PAC rennen gerade mit einer Verspätung von sechs Tagen durchs Leben. Stimmt schon, das neue Sigur-Rós-Album „Valtari“ steht bereits seit letztem Freitag im Plattenladen. Trotzdem ist uns das jetzt mal schnurzpiepegal, schließlich sind neue Alben der Isländer stets hochsensible Angelegenheiten. Wir mussten erst mal mit uns selbst klarkommen, weil wir über die sechste Sigur-Rós-Platte nicht nur jubeln können. Und wir haben uns unsere Sensibilität etwas kosten lassen: ganze sechs Tage.
Seit ein paar Jahren toben unter den Fans von Sigur Rós Flügelkämpfe, und mit jedem veröffentlichten Ton spalten sich neue Splittergruppen ab. Vor allem die Anhänger der ersten Stunde waren enttäuscht, als sie auf dem letzten Album nur bedingt melancholische SloMo-Epen bekamen. Ungewöhnlich fröhlich näherten sich die Isländer dem Pop, was Sänger Jonsi dann kurz darauf mit seiner ersten Soloplatte dann sogar noch intensivierte.
Doch nach fast fünf Jahren Bandpause macht das Quartett mit dem neuen Studioalbum nun eine radikale Kehrtwende: So atmosphärisch, so weitläufig und fernab von Formatzwängen klangen Sigur Rós noch nie. Viele der verarbeiteten Songideen lagen bereits jahrelang als nicht umsetzbar in der Schublade, und erst der Wechsel von Proberaumsessions zu Studiofrickelei brachte jetzt die Lösung. doch so sehr man auch mit dem Wunsch der Alrfans nach SloMo-Epen sympathisieren mag: An Klassiker wie „Ágaetis byrjun“ und „( )“ reichen die acht Kompositionen nicht heran, gerade weil sie zu sehr ausfransen und die Stimme Jonsis mitunter zu weit in den Hintergrund rückt.
Große Momente gibt es natürlich trotzdem, allen voran das ungewöhnlich aufbrausende, majestätische „Varúd“ und der von einem Chor zusammengehaltene Tränendrüsendrücker „Daudalogn“. Und egal, wie sehr die Popfraktion auch eine Flunsch ziehen mag: Wegen dieser beiden Songs kommen sie wie PAC an „Valtari“ nicht vorbei.
„Valtari“ von Sigur Rós ist am 25. Mai via Parlophone/Capitol erschienen.
