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Blutige Trennungen

by Carsten on 29. Mai 2012 · 0 comments

in Über Tönen

Früher hätte es in einem Moment wie diesen bei PAC interne Streitereien gegeben: Schon wieder Musik? »» Sollte da nicht mal ein Filmthema oder ein Buch dazwischen …? Aber mittlerweile sind wir viel entspannter. Warum aus Zwang noch über „Moonrise Kingdom“ schreiben, wo doch schon (völlig zu recht) jedes erdenkliche Lob anderswo zu lesen war und inzwischen (hoffentlich) jeder den neuen Wes Anderson gesehen hat? Und Bücher wird es spätestens dann wieder mehr als genug geben, wenn wir den letzten Stapel von der Leipziger Buchmesse abarbeiten. Momentan wollen wir einfach genießen, dass wir so musikverliebt sind. Wir kommen ja so schon gar nicht hinterher. Der Text zur neuen Sigur-Rós-Platte ist noch nicht mal geschrieben, obwohl die schon seit letztem Freitag in den Läden steht. Aber erstmal ist jetzt wichtiger, von unserer neuen Lieblingsband zu berichten, denn das Debüt von Man Without Country erscheint in drei Tagen. Aus mitreißendem Postrock und epischen Wave-Sounds bauen sie nicht nur einfach herzzerreißende Songs, sie hauen auch so viel Lebenshilfe raus, dass am Freitag bei der Neon Köpfe rollen werden. Wir streiten ja nicht nur ständig, wir trennen uns auch – und werden verlassen. Aber jetzt haben wir Tomas Greenhalf und Ryan James und ihren perfekten Soundtrack für Selbstmitleid und Rachefantasien.

PAC: Tomas, Ryan, was sollte in der Gebrauchsanleitung für euer Debütalbum „Foe“ stehen?
Tomas Greenhalf: Das erste Mal sollte man sich unsere Platte unbedingt allein anhören. Da treffen sehr melancholische, lebensverneinende und teilweise auch hasserfüllte Texte auf erbauliche Wall-of-Sound-Synthies. Wegen der wütenden Texte wäre es ideal, wenn man „Foe“ direkt nach einer Trennung hört.
Ryan James: Wobei man mit der Platte nicht warten muss, bis eine Beziehung in die Brüche geht. Man darf sich auch gerne trennen, um Man Without Country kennenzulernen.
Tomas Greenhalf: Wobei es besser wäre, der Expartner wäre beim Musikhören nicht dabei …

PAC: Dann habt ihr eure Gesichter anfangs nicht gezeigt, weil ihr Angst hattet, man könnte euch im Falle von blutigen Trennungen zur Verantwortung ziehen?
Tomas Greenhalf: Nö, wir wollten einfach, dass man unsere Musik bewertet und nicht unser Aussehen. Wir kennen das ja von uns selbst: Oft muss man nur ein Bandfoto sehen, und ohne auch nur einen einzigen Song gehört zu haben, hat man eine vorgefertigte Meinung.

PAC: Ihr habt die Verweigerung aber nicht durchgehalten, inzwischen sind auch unverhüllte Fotos von euch aufgetaucht …
Ryan James: Am Anfang waren es Unfälle. Dann fanden wir es peinlich, dogmatisch zu sein. Jetzt behalten wir eben die Freiheit bei, uns verstecken zu können, wann immer uns danach ist.

PAC: Ihr habt euch nach einer Essaysammlung von Kurt Vonnegut benannt habt. Drückt ihr damit nicht schon aus, dass ihr euch fremd und nicht zugehörig fühlt?
Ryan James: Das war so, als wir angefangen haben, weil damals alle Gitarrenrock gehört haben. Mittlerweile sind wir nicht mehr ganz so finster drauf, und ich glaube, dass es in den Texten der nächsten Platte auch Lichtblicke geben wird.
Tomas Greenhalf: Wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm. Musik kompensiert ja all das, wofür man im richtigen Leben merkwürdig angeschaut werden würde – etwa die Blutgelüste nach einer Trennung. Das meinen wir doch, wenn wir von Kunst sprechen.

„Foe“ von Man Without Country erscheint am 1. Juni via Lost Balloon/Cooperative Music/Universal.

PS: Falls es Menschen gibt, die bei MWC Spuren von Emorock raushören, bitte unbedingt das Kommentarfeld nutzen.

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